06 Bewegter Unterricht
Download6.2 Formen des bewegten Unterrichts
Im Schulalltag lassen sich verschiedene Formen des bewegten Lernens einsetzen. Jede Form hat ihre Berechtigung und trägt zu einem abwechslungsreichen und vielseitigen Unterricht bei. In diesem Zusammenhang ist die Raumgestaltung wichtig (-> Bewegungsfreundliche Umgestaltung der Innen- und Aussenräume). Wird Bewegung auch methodisch genutzt, verringert sich das Bedürfnis nach unerlaubter Bewegung.
Für eine Umsetzung des bewegten Unterrichts können folgende Anregungen hilfreich sein:
- Weniger ist zu Beginn mehr: Das heisst, sich zuerst auf eine oder zwei Formen des bewegten Unterrichts konzentrieren. Am besten mit den Formen beginnen, die dich als Lehrperson am meisten ansprechen.
- Die ausgewählten Formen regelmässig im Unterricht einplanen und durchführen.
- Mit der Zeit das Angebot ausbauen (z.B. mehrmals pro Tag) und anschliessend weitere Formen einbinden.
6.2.1 Bewegtes Lernen
Bewegtes Lernen durch und in Bewegung kann individuell und im Plenum stattfinden.
Lernen durch Bewegung ist lernerschliessend. Das Kind erfährt den Sinn und den Inhalt der kognitiven Aufgabe durch die konkrete Handlung in der Bewegungsaufgabe. Es lernt, den Inhalt über die Bewegungs- und Körpererfahrung zu verstehen.
Beispiele:
- Zahlenstrahl auf dem Boden aufzeichnen/kleben und die Kinder gehen den Zahlenstrahl ab.
- Präpositionen üben, indem die Kinder hinter einem Stuhl stehen und sich passend zur Geschichte bewegen: Der Hund ist vor der Hütte, in der Hütte etc.
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Lernen in Bewegung ist lernbegleitend: Das Kind darf sich bewegen, während es bestimmte kognitive Aufgaben löst. Die kognitive Anforderung steht aber in keinem direkten Zusammenhang mit der Bewegungsaufgabe. Beim Lernen in Bewegung ist es wichtig, dass das Kind die Bewegung zuerst korrekt ausführen kann. Erst dann kann es dabei auch lernen. Lernen in Bewegung dient als Motivationshilfe, zur Steigerung der Aufmerksamkeit und auch zur Schaffung von Abwechslung.
Beispiele:
- Auf dem Rebound (Trampolin) hüpfen und dazu zählen.
- Über einen Balken balancieren und Verben repetieren.
6.2.2 Selbstgewählte Arbeitshaltung
Selbstgewählte Arbeitshaltungen gleichen dem Lernen in Bewegung. Was für die Kinder körperlich und kognitiv relevant ist, findet gleichzeitig statt. Selbst gewählte Arbeitshaltungen sind aber nicht unbedingt von Bewegung geprägt. Je nach Bedürfnis können sich Kinder dadurch entlasten und Arbeitspositionen so wählen, dass sie sich möglichst ungestört der gestellten Aufgabe widmen können. Der eigene Körper weiss viel schneller und besser, wann und wie er zum Selbstschutz auf einseitige statische Belastungen zu reagieren hat. Ganz nach dem Motto «Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste!» Dieses Bedürfnis nach Veränderung der Arbeitsposition zeigt sich zum Beispiel durch Kippeln mit dem Stuhl, Recken und Strecken oder unruhiges Hin- und Her-Rutschen auf dem Stuhl.
Selbstgewählte Arbeitshaltungen sind in allen Arbeitsphasen möglich. Es braucht dazu jedoch klare Regeln, in welchen Situationen die Kinder ihre Arbeitshaltung selbst bestimmen dürfen und welche Formen dabei in Frage kommen.
Möglichkeiten für selbstgewählte Arbeitshaltungen:
- Stühle vielseitig nutzen (z.B. Stuhl umdrehen und sich bäuchlings auf die Lehne stützen, Stuhl wird zum Tisch)
- Sitzbälle, Sitzkeile, Sitzkissen
- Bänke
- Alternative Sitzmöglichkeiten wie Holzrugel, umgedrehte Abfalleimer, Harassen, Holzkisten, Kartonrollen mit Brett als Sitzmöglichkeit, Kissen etc.
- Stehpulte (fixe oder improvisiert mit Erhöhungen auf Tischen)
- Auf dem Boden (liegend, kniend, sitzend)
- Wanderpulte
In der Grafomotorik gibt es die «gute Sitzhaltung». Das bedeutet: Füsse auf dem Boden, aufrechter Rücken und Platz für die Unterarme auf dem Pult. Damit hat das Kind optimale Bedingungen für das Kombinieren von Unterarmzug und Fingerbeweglichkeit, ohne sich dabei zu verkrampfen. Diese «gute Sitzhaltung» ist dann von Bedeutung, wenn der Fokus auf dem Schreiben liegt, z.B. beim Erlernen der Basisschrift. Dabei ist zu beachten, dass diese Sitzhaltung nicht länger als 10 bis 15 Minuten möglich und gesund ist.
6.2.3 Bewegungspausen
Bewegungspausen helfen bei nachlassender Konzentration, bei Ermüdungserscheinungen, bei Unruhe oder für den Stressabbau. Sie unterstützen die kognitive und körperliche Aktivierung. Sie motivieren, entlasten und entspannen die Muskulatur und regen die Durchblutung an. Dabei kann die Bewegungspause in der gesamten Klasse oder individuell stattfinden. Bei der Bewegungspause im Plenum ist darauf zu achten, dass alle Kinder in Bewegung sind. Die individuelle Bewegungspause können die Kinder während den Stillarbeitsphasen selbstständig nutzen. Dabei helfen einige Regeln, zu Beginn eine Einführungsphase und die Unterstützung durch die Lehrperson.
Tipps und Tricks für die individuelle Bewegungspause:
- Kinder organisieren sich individuell, z.B. mit Hilfe von Namenskarten an der Wandtafel.
- Nicht mehr als zwei Kinder gleichzeitig. Zu Beginn nur ein Kind.
- Eine Bewegungspause dauert nicht länger als 3 bis 5 Minuten. Sanduhr oder Timer nutzen.
- Bewegungspause wenn möglich im Gang oder in einer ruhigen Ecke des Schulzimmers machen.
- Wenn die Bewegungspause im Gang stattfindet, Information und Absprache mit dem Team und dem Hauswart.
- Selbsterklärende Bewegungsideen mit wenig Materialaufwand.
- Bewegungsideen über eine längere Zeit beibehalten.
6.2.4 Bewegte Hausaufgaben
Bewegte Hausaufgaben lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: spezifische Bewegungshausaufgaben und Hausaufgaben, bei denen Lernen in und durch Bewegung stattfindet. Beide Formen motivieren die Kinder, die Aufgabe zu erledigen.
Vor allem bei den Bewegungshausaufgaben können die Kinder zudem Bewegungsideen nach Hause mitnehmen und diese auch im Familienalltag umsetzen. Darum ist es wichtig, sie in die jeweiligen Bewegungsabläufe einzuführen. Mit einer zusätzlichen Elterninformation lassen sich bewegte Hausaufgaben besser umsetzen.
Leit- und Reflexionsfragen
- Wo baust du bereits Formen des bewegten Unterrichts ein?
- Wo möchtest du mit deiner Klasse in einem halben Jahr/Jahr stehen? à Ist-/Soll-Zustand in einen Stundenplan einzeichnen
- Reflexion in einem halben Jahr/Jahr: Welche Ziele hast du erreicht, welche noch nicht? Welche Erfahrungen (positiv/negativ) hast du gemacht? Warum hast du bestimmte Ziele nicht erreicht? Welches waren/sind die Stolpersteine? Wo siehst du dafür Lösungsansätze? Wie willst du weiterkommen?
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