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27. Februar 2025

05 Bewegungsangebot gestalten

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5.1 Bewegungslandschaften

Allen Kindern durch Bewegungsförderung gerecht zu werden, ist anspruchsvoll. Da der motorische Entwicklungsstand sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, besteht die Gefahr der Über- oder Unterforderung einzelner. Bewegungsaufgaben müssen daher viele Variationen erlauben, damit möglichst alle positive Erfahrungen sammeln können (-> Variantenreiche Bewegungsangebote). Hierfür bietet sich die Bewegungslandschaft an.

Je nach Verständnis werden Bewegungslandschaft und Bewegungsbaustelle wie folgt unterschieden:

  • Eine Bewegungslandschaft wird von der Lehrperson erstellt.
  • In einer Bewegungsbaustelle können Kinder frei mit Materialien experimentieren.

Nach unserem Verständnis sind die Übergänge fliessend und wir verwenden diese beiden Begriffe daher synonym.

5.1.1 Anforderungen an Bewegungslandschaften

  • Neugierde und Interesse der Kinder wecken
  • Altersgerechte und entwicklungsgemässe Ausgestaltung
  • Miteinbezug aller Kinder, der leistungsstarken und leistungsschwächeren, grossen und kleinen
  • Möglichkeiten bieten, sich zu erproben und zu entfalten
  • Verschiedene elementare Bewegungsbedürfnisse berücksichtigen und diese in unterschiedlichen Ausführungen erleben lassen
  • Fantasielandschaft, in der die Kinder auf Entdeckungsreise gehen können (Dschungellandschaft, Bergwiesen, Hügelgebiete etc.)

5.1.2 Prinzipen der Gestaltung von Bewegungslandschaften

  • Kindgemässheit
    Die Bewegungsangebote sollen grundsätzlich auf das Alter und Können der Kinder abgestimmt sein, einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder haben, sie neugierig machen und zum Experimentieren herausfordern.
  • Offenheit
    Bewegungslandschaften sollen offen in den individuellen Sinngebungen sein. Die Kinder sollen bei vorgegebenen Themen auch die Gelegenheit haben, diese individuell zu interpretieren.
  • Entscheidungsfreiheit
    Die Kinder sollen selbst entscheiden können, wie sie die Landschaft nutzen und bespielen möchten (-> Entwicklung des Selbst).
  • Differenzierte Schwierigkeitsstufen
    Für alle Kinder sollen Möglichkeiten mit unterschiedlichen Herausforderungen vorhanden sein. Z.B. im Gleichgewicht sein: schmale und breitere Überquerungsmöglichkeiten mit wenig oder mehr Bodenfreiheit, mit kleineren oder grösseren Abständen etc.
  • Selbsttätigkeit
    Materialkombinationen und -bauten sollen Kinder zum selbsttätigen Handeln herausfordern. Impulse der Lehrperson können das Bewegungsrepertoire der Kinder erweitern, ihnen Alternativen in der Bewältigung der Herausforderung ermöglichen und sie gezielt fördern. Ganz nach dem Motto: «Hilf mir, es selbst zu tun!»

5.1.3 Welche Kompetenzen werden gefördert?

  • Selbst aktiv werden
  • Fähigkeiten erproben, sich austoben
  • Auseinandersetzung mit sich selbst (Körpererfahrungen, körperliche Grenzen erleben, Risikokompetenzen erwerben)
  • Auseinandersetzung mit der Beschaffenheit von Materialien
  • Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt (Rücksicht nehmen, Durchsetzungsvermögen, voneinander lernen, einander helfen, miteinander kommunizieren und sich sprachlich ausdrücken etc.)
  • Erfahrungen mit allen Sinnen machen
  • Konstruktives Denken (Planungsfähigkeit, Strategiebildung)

5.1.4 Aufgaben der Lehrperson in Bewegungslandschaften

  • Den Kindern Zeit geben, sich frei und selbstständig zu bewegen und kreativ zu sein.
  • Eigenaktivität und Selbsttätigsein fördern (-> Entwicklung des Selbst).
  • Beobachten
  • Kindern zu Erfolgserlebnissen verhelfen (z.B. durch Reflexion, Rückmeldung bzw. Bestätigung des Erlebten).
  • Hilfestellung nur dann geben, wenn das Kind danach verlangt oder auf unüberwindliche Schwierigkeiten stösst.
  • Hilfestellung immer im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe (z.B. alternative Lösungswege aufzeigen) geben.
  • Hilfestellung und Unterstützung, um vor Gefahren zu schützen.
  • Emotionale Sicherheit (Rückhalt, angstfreie Atmosphäre) bieten.
  • Sicherheit des eingesetzten Materials, wie z.B. bei der Verwendung von Brettern für Brücken, sowohl beim Aufbau als auch während dem Spielverlauf gewährleisten.

5.1.5 Zugang zu den Bewegungslandschaften

Idealerweise werden Kinder in den Aufbau der Bewegungslandschaft miteinbezogen. Dabei machen sie bereits wichtige Körper-, Bewegungs- und Materialerfahrungen. Zudem können sie sich bei der Gestaltung mit Ideen aktiv einbringen. Bewegungslandschaften können aber auch von der Lehrperson vorbereitet werden. So können sich die Kinder während der Auffangzeit selbsttätig in der Bewegungslandschaft beschäftigen und Erfahrungen sammeln.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • Als Lehrperson 2-3 Bewegungsbedürfnisse bestimmen. Passend dazu Materialien auswählen und bereitstellen. Anschliessend die Kinder damit experimentieren lassen.
  • Mit den Kindern ein Bilderbuch anschauen und besprechen. Anschliessend dazu mit den Kindern eine passende Bewegungslandschaft gestalten und bespielen.

Damit Kinder im Freispiel selbsttätig Bewegungslandschaften einsetzen, müssen sie mit diesen vertraut sein. Dazu gehört auch, dass sie freien Zugang zu den Bewegungsmaterialien haben und wissen, welches Mobiliar sie dafür nutzen dürfen.

Variantenreiche Bewegungslandschaften ermöglichen es Kindern, entsprechend ihrem motorischen Entwicklungsstand positive Erfahrungen zu sammeln und sich individuell herauszufordern. Ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt.

  • Tische, Stühle
  • Verschiedene Kanthölzer und Bretter
  • Schaumstoffelemente
  • Matten z.B. Turnmatten, IKEA PFLUSIG
  • Harassen
  • Holzleitern
  • Pikler-Dreieck
  • Halbrund-Bogen
  • Becher, Dosen
  • Seile
  • Tücher, Decken
  • Kartonschachteln
  • Kartonröhren
  • ...
  • Verschiedene Kanthölzer und Bretter
  • Holzrugeln in verschiedenen Höhen
  • Seile
  • Pneus
  • Grosse Kabelrollen
  • Decken
  • Naturmaterialien z.B. Steine, Tannenzapfen, Blätter
  • Umgebung und Infrastruktur
  • ...

Leit- und Reflexionsfragen

  • Setzt du Bewegungslandschaften im Schulalltag ein?
    • Wenn ja, welche Zugänge (Bewegungslandschaften für Kinder vorbereiten, mit ihnen gemeinsam aufstellen, Kinder erstellen sie selbstständig) nutzt du im Alltag bereits?
    • Wenn nein, was brauchst du, damit du Bewegungslandschaften im Schulalltag einsetzt?
  • Was sind deine «Highlights» im Zusammenhang mit Bewegungslandschaften und welche Stolpersteine gibt es?
  • Was kann dir bei der Überwindung der Stolpersteine helfen?
  • Fischer, K. (2022). Forum Psychomotorik: Handlungskompetent auf der Bewegungsbaustelle. Motorik, 45 (2) p. 56-60, ISSN 0170-5792. Verfügbar unter: <https://www.reinhardt-journals.de/index.php/mot/article/view/154174/6125>
  • Konze, B. (2015). Die Bewegungsbaustelle als Aneignungskonzept kindlicher Lebenswelt. Entwicklungsförderliche Aspekte der Bewegungsbaustelle. Motorik, 38(3), 111–. https://doi.org/10.2378/mot2015.art18d
  • Sohn, A. (2018). Kleine Räume - großer Spaß : Das Bewegungsbuch für KITA und Kindergarten für Kinder ab 2 Jahren, Meyer & Meyer.

Eine Bewegungslandschaft versucht, die Herausforderungen der Natur (Hügel, Steine, verschiedene Bodenbeschaffenheiten, Bäume) als Impuls für Bewegungsangebote in Innenräumen zu nutzen. Je nach Gegebenheiten werden aus vorhandenen Räumen oder Raumbereichen, mobilen Gerätekombinationen und diversen Klein- und Alltagsmaterialien eine Bewegungslandschaft gebildet. Bei fehlenden Voraussetzungen in den Innenräumen ist dies auch draussen möglich.

Bewegungslandschaften bietet den Kindern grossräumige und vielseitige Bewegungserfahrungen. Sie können sich darin nach ihren Wünschen frei bewegen (also nicht immer von A nach B). Wenn nötig, können sie diese auch verändern. Dank dieser Flexibilität können unterschiedliche Entwicklungsstände und Leistungsniveaus aufgefangen und die Kinder individuell gefördert werden, indem sie die für sie passenden Herausforderungen selbst aussuchen. In Bewegungslandschaften inszenieren Kinder Rollenspiele und entwickeln durch die Auseinandersetzung mit dem Material ihre motorische Geschicklichkeit und ihre kreative Ausdrucksfähigkeit. Zugleich lernen sie, die Eigenschaften und die Handhabung von Materialien zu verstehen und mögliche Gefahren zu erkennen.

Bewegungslandschaft
Bewegungslandschaft 1